Theorie
Wie kann man die Kommunikation mit Patienten verbessern?
Für Nichtmuttersprachler ein Blick auf sprachliche Kompetenzniveaus:
B2
Kann zu einem breiten Themenspektrum die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben.
C1
Kann sich klar, strukturiert und ausführlich zu komplexen Sachverhalten äußern.
C2
Kann bei komplexeren Sachverhalten feinere Bedeutungsnuancen deutlich machen.
Siehe Wikipedia: GeR
Ohne hohe Sprachkompetenz sind “schwierige Gespräche” also noch schwieriger.
Gesprächstechniken & Schemata
In der Arzt-Patienten-Dyade muss eine Balance gefunden werden zwischen arztzentrierter Gesprächsführung und patientenzentrierter Gesprächsführung. ÄrztInnen müssen nicht nur über Befunde sprechen, sondern PatientInnen auch Raum geben über ihr Befinden zu sprechen:
Für einen guten Draht zum Patienten helfen schon Strategien des aktiven Zuhörens:
Aktives Zuhören
- offene Körpersprache, Blickkontakt
- (Patienten) mit Namen ansprechen
- m-hm
- Echo-Antworten (Wikipedia)
- (Patienten) ausreden lassen
- Rückfragen stellen – um Vertrauen aufzubauen
- Rückfragen stellen – um Missverständnisse zu vermeiden +
- Gesprächspausen bis 3 Sekunden rhythmisieren ein Gespräch und können Aussagen aufwerten.
- eigenen emotionalen Zustand monitorisieren
Spezifische Schemata helfen ÄrztInnen bei der Einbeziehung der Patientenperspektive:
WWSZ
- Warten
- Wiederholen
- Spiegeln
- Zusammenfassen
IBE
- Ideen
- Befürchtungen
- Erwartungen
PSO
- Psycho
- Social
- Occupational
NURSE
- Name
- Understand
- Respect
- Support
- Explore
P-SPIKES
- Preparation
- –
- Setting
- Perception
- Invitation
- Knowledge
- Emotions
- Strategy & Summary
Das Calgary-Cambridge-Modell ist ein umfassendes Modell für Arzt-Patienten-Gespräche.
Calgary-Cambridge-Modell
Dieses Diagramm des Calgary-Cambridge-Modells greift die Notwendigkeit eines
dia-logischen Arzt-Patienten-Gesprächs nur indirekt über den Beziehungsaufbau auf.
Die im Calgary-Cambridge-Modell trainierten >70 Gesprächsstrategien ermöglichen jedoch in allen Gesprächsphasen eine bi-zentrierte, duale Agenda.
z. B.
-
Gesprächsbeginn
- Goldene Minute (vs 18 Sekunden Falle)
- Offene Eröffnungsfrage
- Zeit- & Rahmung
- Agenda Setting
- …
-
Sammeln von Informationen
- Paraphrasieren
- Funneling (~ Trichter-Technik)
- IBE (Ideen, Befürchtungen, Erwartungen)
- PSO (psycho, social, occupational)
- …
-
Teilen von Informationen
- Chunk-and-Check
- Signposting (~ Strukturankündigung)
- …
-
Erklären & Planen
- Shared Decision Making
- Ask-Tell-Ask
- Laienübersetzung
- Teach-Back
- NURSE (Name, Understand, Respect, Support, Explore)
- Barrieren-Exploration
- …
-
Beendigung
- Safety Netting
- Offene Schlussfrage
- …
🇩🇪🔍
Für einen Überblick über APGs im deutschen Gesundheitssystem:
Der offizielle Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM) ist für
die Qualitätssicherung der medizinischen Ausbildung konzipiert. Unter 2.1 VIII finden Sie die Kompetenzen für die ärztliche Gesprächsführung.
Die Schönheit des Calgary-Cambridge-Modells liegt darin,
dass auch konkret gesagt wird,
wie die Gesprächsstrategien zu trainieren sind:
| Trainings-Strategie | Kommentar |
|---|---|
| Videoaufzeichnung & Beobachtung | Erst durch die externe Beobachtung des eigenen Verhaltens (Körpersprache, paraverbale Signale, tatsächlicher Redeanteil) kann Kommunikation effektiv geübt werden. |
| Arbeit mit Simulationspatienten (SP) | Um neue, ungewohnte Strategien zu lernen, wird im Rollenspiel mit Schauspielern trainiert. |
| ALOBA (Agenda-Led Outcome-Based Analysis) | Video-Feedback folgt einer festen Struktur: Lernende definieren vor dem Anschauen des Videos ihre eigene „Agenda“ (z. B. „Ich wollte dem Patienten den Raum geben seine eigene Perspektive zu erklären.“) – die Evaluation richtet sich nach dem konkret formulierten Ziel (Outcome). |
| Mikro-Skills | Es werden keine vagen Konzepte geübt (wie z. B. „sei empathisch“), sondern konkretes und sichtbares Verhalten (wie z. B. „mach eine 3-sekündige Pause“ oder „verwende den Namen des Patienten“). |
| Rehearsal 🤠 (Direkt Nochmal!) |
Nach dem Feedback wird die Szene direkt noch einmal simuliert und nicht nur theoretisch diskutiert. |
FSP-Theater*
🎭 🤷
In der FSP müssen Sie schwierige Momente erkennen und (trotz Zeitdruck) schön reagieren.
Besonders schwierig ist oft die Absurdität einen entspannt lächelnden Patienten als medizinischen Notfall (z. B. mit Atemnot und 10/10 Schmerzen) zu behandeln.
In der Übung gibt es eine eigene Sektion für FSP-Klassiker.
Dort sind einige typische FSP-Momente, in denen Sie moderieren & reagieren müssen, vereinfacht dargestellt.
aus griech. théātron (θέατρον)
„Ort zur Aufführung von Schauspielen, Schauplatz, die Zuschauer“, einer Ableitung von griech. theā́sthai (θεᾶσθαι) „schauen, zuschauen, betrachten“,
ins Dt. übernommen.
Praxis
Szenarien auf Basis des Calgary-Cambridge-Modells geben Ihnen die Möglichkeit Moderation & Reaktion praktisch zu üben.
Vorarbeit ist zu empfehlen u.a. mit den xyz-Modulen zu:
schon bevor Sie die praktische Übung machen!
| 🔗 | Redemittel | Redemittel klingen vertraut und können Vertrauen erzeugen – wenn Sie Redemittel falsch verwenden, haben sie den gegenteiligen Effekt. Redemittel bitte nicht inflationär verwenden. |
| 🔜 | Konjunktiv-II | respektvolle, höfliche Kommunikation über Möglichkeiten |
| 🔗 | Modal-Passiv | professionelle, distanzierte Kommunikation |
| 🔗 | Wortschatz |
Manchmal braucht man das perfekt passende Verb! (Meistens kann man einfach die eigenen Lieblingsverben benutzen.) |
| Alltagsverben | Kann Patienten (die in labyrinthischen Betonbunkern mit alptraumhafter Bürokratie kämpfen und mit Halbgöttern in Weiß um Leib und Leben verhandeln) helfen sich zu entspannen. |
Alle Formen sollten benutzt werden;
die Mischung macht's!
Nutzen Sie einen Laptop
für die Sprechübung